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Patientenrechte

Es gibt Standardtherapien und sogenannte Leitlinien Therapien nach denen sich die meisten Kliniken und Fachärzte, z. B. Onkologen richten. Nach Leitlinien behandelt zu werden bedeutet eine einheitliche gleichwertige Behandlung für Patienten mit ähnlicher Diagnose. Dass jeder Organismus individuell zu betrachten ist und damit jeweils auch unterschiedlich auf Therapien reagiert, soll hier nicht weiter vertieft werden.

Bestimmte zertifizierte Behandlungszentren sind sogar verpflichtet, streng nach Leitlinien zu behandeln. Nur bei ausschliesslich den Standard-Leitlinien entsprechenden Behandlungen erhalten diese Kliniken von ihren Haftpflichtversicherern die dringend benötigten Rabatte. Auch der Druck, jährlich bestimmte Mindestzahlen nachzuweisen führt dazu, dass Patienten mitunter regelrecht zu einer leilinienkonformen Behandlung gedrängt werden. Die jüngste Rechtsprechung trägt nicht gerade dazu bei, dass Ärzte entsprechend ihren Erfahrungen und Möglichkeiten eine dem Patienten individuell angepasste Diagnostik und Therapie empfehlen. Obwohl beispielsweise das Mammografie-Screening zwischenzeitlich sehr umstritten ist, weil der Nutzen im Vergleich zur Kompressions- und Strahlenschädigung, der häufig unnötigen Angst und den unnötigen Eingriffen als eher gering bewertet wird, verurteilte das Oberlandesgericht Hamm einen Arzt, weil er seiner Patientin zu spät zu einer Mammografie geraten habe (Aktenzeichen: 3 U 57/13).

Nicht zuletzt fühlt sich noch immer eine ganze Reihe von Ärzten in ihrer fachlichen Autorität angegriffen, wenn gut Informierte Patienten leitlinientreue Empfehlungen hinterfragen:

•Darf ich die in der Leitlinie vorgesehene Stanzbiopsie ablehnen und auf eine sofortige Operation drängen?

•Eine Maximaltherapie mit Chemo-, Hormontherapie und Strahlentherapie ganz oder teilweise ablehnen?

•Eine biologische Therapie vorziehen?

•Verliert ein „ungehorsamer“ Patient damit seinen weiteren Behandlungsanspruch?

Grundsätzlich darf ein Patient leitlinienfixierte Therapien ablehnen, ohne rechtliche Nachteile oder die Verweigerung medizinischer Leistungen fürchten zu müssen. Das verfassungsrechtlich garantierte Selbstbestimmungsrecht beinhaltet die freie Wahl des Arztes oder Heilpraktikers ebenso wie eine vermeintlich „unvernünftige“ medizinische Entscheidung. Nach einem gemeinsamen ausführlichen persönlichen Gespräch vor Behandlungsbeginn ist es ratsam, dass der Patient schriftlich Behandlungswünsche niederzulegt. Behandler müssen dann nicht spätere Schadensersatzforderungen fürchten und sind bereit medizinisch vertretbaren Therapiewünschen zu entsprechen. Dies ist in beiderseitigem Interesse. Je weiter eine Behandlung von den Leitlinien abweicht, desto grösser sollte die Sorgfalt und der Aufklärungsumfang sein. Gegenstand der Aufklärung sollte die Diagnose, die Behandlung, Behandlungsdringlichkeit, Risiken und Nebenwirkungen, die Konsequenzen einer Ablehnung und Behandlungsalternativen sein.

Heilung von einer tödlichen Krankheit zu suchen, bedeutet ein Risiko eingehen. Mutig eigene Wege beschreiten provoziert unweigerlich Unverständnis und Kritik! Sich einer offiziellen Meinung anzuschliessen ist ein defensiver bequemer Weg, aber deswegen noch lange nicht die bessere Entscheidung. Eine Wahl hinter der Sie persönlich stehen können, ist mit Sicherheit die beste Wahl.

Man darf sich nicht scheuen, den Arzt oder das Krankenhaus zu wechseln, wenn klärende Gespräche nicht helfen oder Sie von einer Behandlung nicht überzeugt sind. Sie haben ganz besonders in dieser, für Sie belastenden, Situation ein Recht auf Selbstbestimmung und einen geduldigen, einfühlsamen und emphatischen Umgang. Dies ist auch gerade deshalb wichtig, weil die Wissenschaft längst bewiesen hat, dass Ängste das Immunsystem schwächen und die Art wie ein Patient behandelt wird sehr zur Genesung beitragen kann!